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Mehr Bildung und Gesundheit durch weniger Lärm

Neufahrns Bürgermeister Schneider gibt Zusage zum Pilotprojekt an der Hauptschule Neufahrn - Praxisbüro Gesunde Schule initiiert dieses Projekt

Jeder, der schon einmal versucht hat, sich in einem gefüllten Straßencafé zu unterhalten, weiß, wie anstrengend es ist, sich auf sein Gegenüber zu konzentrieren. Ständig dringen von außen Störgeräusche ans Ohr, die ablenken und das Verständnis erschweren.

Ähnliche Verhältnisse herrschen in vielen Schulen, oftmals nicht dadurch, dass Schüler übermäßig laut sind, sondern durch eine schlechte Akustik der Räume.

 

Auch an der Hauptschule Neufahrn ist das Problem bekannt und mit Hilfe der fachlichen Begleitung von Martin Seidl des Praxisbüros Gesunde Schule am Gesundheitsamt Freising, entschloss man sich, das Thema konkret anzugehen.

So kam es letzte Woche zu einem Vortrag über verschiedene Aspekte von Lärm und Akustik, der in der Schule stattfand. Als Referenten konnte man Diplom Ingenieur und Spezialist für Lärm und Arbeitsschutz Peter Hammelbacher  sowie Sonderschullehrerin Ulrike Girardet  gewinnen. Das Grußwort dazu sprach Bürgermeister Rainer Schneider.

 

Peter Hammelbacher machte die Zuhörer mit Grundbegriffen wie Nachhallzeit und Störgeräuschpegel vertraut und erklärte, dass der Teilaspekt Akustik auch heute noch beim Bau vieler Schulen und Kindergärten vernachlässigt wird. . In Klassenräumen mit großer Nachhallzeit ergibt sich oft ein Spiraleffekt: „Mit der Lautstärke der Schüler, die oft unkontrollierbar wird, muss auch der Lehrer lauter werden. Solche Situationen schaukeln sich hoch, so dass für mich als Lehrer Unterrichten manchmal unerträglich wird: Dauernde Anspannung, Lärm und Unruhe, und das einen ganzen Vormittag lang, belasten mein Nervenkostüm.", konstatiert eine Lehrkraft.

 

Laut Ulrike Girardet spüren Lehrer dies oftmals körperlich in Form von Stimmproblemen und Ohrgeräuschen (Tinnitus), langfristig kann es sogar zu einem krankhaften Anstieg des Blutdrucks sowie Herzproblemen kommen. Laut einer Umfrage der Uni Bremen unter 1159 Lehrkräften gaben 80% Lärm als Belastungsfaktor an. Die Unfallkasse Hessen fand heraus, dass für die Lehrer Lärm noch vor destruktiven Schülern die Krankheitsquelle Nummer 1 ist.

 

Aber auch psychisch macht sich zuviel Lärm bei Lehrern und Schülern bemerkbar. Viele berichten, unter Lärmeinfluss aggressiv zu werden, weil sie sich übergangen fühlen.

Schüler haben mit weiteren Problemen zu kämpfen. Ein erhöhter Lärmpegel stört nicht nur die Konzentration und die Informationsaufnahme, besonders in jungen Jahren kann es zu erheblichen Verständnisstörungen kommen. So verstehen Kinder, deren Muttersprache nicht deutsch ist, nur noch ungefähr 50% des Gesagten, deutschsprachige Kinder auch nur 70%, was für den Spracherwerb und das Lernen verheerende Folgen haben kann.

Hammelbacher erklärte im Anschluss, mit welchen Schallschutzmaterialien eine deutliche Verbesserung der Akustik erzielt werden kann, die auch im Nachhinein noch in bereits vorhandene Räume eingebaut werden können. Anhand einiger Studienergebnisse belegte er die positiven Auswirkungen solcher Akustiksanierungen. Peter Müller, Leiter der Schulentwicklungsgruppe des Gymnasiums Kirchheim schwärmte von den neuen Unterrichtsräumen mit akustischer Dämmung: „Die Lehrer und Schüler sind hellauf begeistert!“

 

Schulleiter Hans Deuter formulierte am Ende der beiden Vorträge den Wunsch des Lehrerkollegiums: Die Hauptschule Neufahrn möchte gerne einige Räume (unter anderem die sehr stark nachhallende Aula) mit Lärmschutz-Materialien ausstatten und somit als Pilotprojekt im Landkreis erforschen, wie wirksam diese Methode ist.

Die spontane Zusage, dieses Projekt unterstützen und mitfinanzieren zu wollen, brachte Bürgermeister Schneider viel Applaus ein. Rainer Schneider dazu: „Wir investieren damit in die Bildung, Gesundheit und Zukunft unserer Jugend.“ Weitere Infos zum Thema findet man auf dem Onlineportal des Praxisbüros Gesunde Schule unter www.gesundeschule-fs.de /Link Themen von A bis Z / Lärm.

 

28.01.2008 12:44 Alter: 11 Jahre