News

Elternkurse an den Schulen machen Sinn -

Initiative „Schule und Elternkurse“ für Landkreis Freising gegründet.

Letzte Woche trafen sich im Gesundheitsamt Fachakteure, Lehrer, Eltern und Jugendsozialarbeiter und diskutierten über ein Angebot so genannter Elternkurse an Schulen. Diese Kurse unterstützen Eltern in ihren Erziehungskompetenzen und wirken sich positiv auf schulische Leistungen und auf das ganze Leben der Kinder aus. Initiiert wurde der Kreis vom Praxisbüro Gesunde Schule, eine Stelle am Gesundheitsamt.

Heidi Dillkofer vom Kinderschutzbund meinte, Schule könnte nicht nur ein Lernort für Schüler sondern auch für Eltern sein. Hintergrund des Treffens ist, dass Elternkurse wie „Step“ oder „Starke Eltern – starke Kinder“ andernorts in den Schulen schon Fuß gefasst haben und Schule ein Ort ist, wo man Eltern gut erreichen kann.

Viele Problembereiche wie Gewalt, Mobbing, Essstörungen, Drogenkonsum, ADHS etc. beeinflussen das Schulleben und erschweren die Arbeit der Lehrkräfte. „All diesen Problemen könnte man im Elternhaus vorbeugen, Elternkurse unterstützen dabei“, meinte Alexandra Mozelewski vom Frauenhaus. „Elternarbeit ist ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden Schule“, so Martin Seidl vom Praxisbüro Gesunde Schule.

Der neu gegründete Arbeitskreis war sich darüber einig, dass Elternkurse allen Eltern hilfreich sein können. „Man braucht sich nicht dafür zu schämen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, es ist eher ein Zeichen von Kompetenz, wenn man sich in dieser zentralen Angelegenheit unterstützen lässt“, konstatierte Elternbeirätin Manuela Engl von der Realschule Moosburg.

 

Klar war den Teilnehmern des Treffens aber auch, dass Eltern allgemein mehr in das Schulleben eingebunden werden sollten. Die Ressourcen der Eltern könnten stärker genutzt werden, zum Beispiel dadurch, dass man Eltern in der Schulentwicklung oder in Arbeitskreisen mitmachen lässt und sie in ihrer Position allgemein mehr würdigt und respektiert. Durch Engagement an den Schulen hätten Eltern auch wieder mehr bzw. einen weiteren Zugang zur Lebenswelt ihrer Kinder. „Schule sollte sich mehr öffnen und den Eltern das Gefühl geben, willkommen zu sein“, so Detlef Rüsch, Jugendsozialarbeiter an der Volksschule in  Eching.

 

Eine wichtige Rolle beim Gewinnen der Eltern für die Teilnahme an einem solchen Kurs spielen neben den Lehrkräften die Jugendsozialarbeiter an den Schulen. Sie pflegen oft intensiven persönlichen Kontakt vor allem zu sozial benachteiligten  Eltern und können somit die Wichtigkeit eines solchen Angebots vermitteln. Die Kurse sind in der Regel nicht besonders teuer. Sollte es an der Finanzierung scheitern, würde Martin Seidl vom Praxisbüro Gesunde Schule Unterstützung anbieten.

 

Als erste gemeinsame Aktion des Arbeitskreises „Schule und Eltern“ entschloss man sich, alle regionalen Angebote gebündelt öffentlich zu machen. Diese findet man unter www.gesundeschule-fs.de / Eltern. Möglich ist auch, dass Schulen die Kurse über einen Vortrag oder Schnupperabend  kennen lernen oder auch eine individuelle Beratung in Anspruch zu nehmen.

 

Der Arbeitskreis möchte konkrete Projekte angehen und trifft sich zweimal im Jahr. Eltern, Schüler und Lehrer sind herzlich dazu eingeladen. Interessierte Schulen können sich gerne melden. Weitere Auskünfte erhalten sie beim jeweiligen Anbieter oder über Martin Seidl, Leiter des Praxisbüros Gesunde Schule am Gesundheitsamt, Tel. 08161/5374300.

 

In Schweden zum Beispiel waren es im vergangenen Jahr 7% aller Eltern, die so einen Kurs besuchten, mit steigender Tendenz. An einer Hauptschule in Berlin ist es sogar Pflicht, dass Eltern solche Kurse besuchen – mit großem Erfolg: Das Verhalten der Schüler hat sich seitdem verbessert und die Schule hat zunehmend größeren Andrang.

So denkt auch der 16-jährige Anton Abele aus Schweden, der an seiner Schule in eine dramatische Gewaltaktion miterlebte. "Ich finde das absolut phantastisch. Eltern müssen mehr lernen über das, was sie tun können, um bessere Eltern zu werden. Man muss das Angebot ausbauen und es müsste noch mehr Geld dafür zur Verfügung stehen."

 

Nach wie vor sind Eltern die wichtigsten Vorbilder für Kinder. Die Weichen für den Schul- und Lebenserfolg werden zu Hause gestellt. Dass die Kindererziehung keine leichte Sache ist, dürfte mittlerweile bekannt sein. Der Sozialwissenschaftler Klaus Hurrelmann von der Universität Bielefeld fand bei Nachforschungen heraus, dass etwa 15 Prozent der Elternhäuser bei der Erziehung der Kinder überfordert sind und fordert sogar die Verpflichtung zu Elternkursen.

 

07.05.2008 14:07 Alter: 11 Jahre